Lockenraub

Möchte sein ein keckwilder Vogel,
Zu schweben durch Morgenlüfte!
Möchte sein ein keckwilder Vogel,
Zu fliegen über Berge und Klüfte!

Und wenn ich die Brust mir gebadet
In des Frührots güldenen Wellen,
Wollt ich blitzschnell herniederrauschen
Zu des Tales sprudelnden Quellen.

Und käme die Maid, die holdsel’ge,
Zu schöpfen aus klaren Fluten,
In der murmelnden Quelle zu kühlen
Der Wange jungfräuliche Gluten –

So wollt ich entgegen ihr fliegen,
Ihr Haupt mit den Flügeln umschlagen,
Die schönste der Locken mir rauben
Und fort in die Wolken tragen!